Was kann uns heute diese Begegnung der beiden Jünger mit Jesus
noch vermitteln?
Während die beiden Jünger sich über die Ereignisse der vergangenen
Tage austauschten, stieß ein Fremder zu ihnen. Im Moment tiefster
Trübsal gesellte sich Jesus zu ihnen, doch sie erkannten ihn
nicht. Wieso fiel es ihnen nicht auf, dass Jesus selbst sich ihnen
angeschlossen hatte?
Zwei Gründe hinderten sie daran, Jesus in ihrer Mitte
wahrzunehmen:
Zum einen waren die Augen ihres Herzens blind,
Zum anderen rechneten sie in ihrer Niedergeschlagenheit gar nicht
mit Jesus.
Ergeht es uns nicht oftmals genauso wie diesen beiden Jüngern?
Geben wir nicht in bestimmten Situationen jegliche Hoffnung auf
und denken, dass alles umsonst war?
Spüren wir in solchen Widerwärtigkeiten, dass Jesus neben uns
hergeht?
Jesus fing einfach eine Unterhaltung mit ihnen an und fragte
gleich nach ihrem Gesprächsthema. Die Jünger schauten sich
verwundert an, und Kleopas, der als erster die Fassung
wiedergewann, beantwortete seine Frage nicht, sondern stellte
Jesus traurig eine Gegenfrage:" Bist du wirklich so fremd in
Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen
dort geschehen ist?" usw.
In diesem Dialog wird die Psychologie Jesu ersichtlich.
Jesus kennt jede Einzelheit unseres Lebens, sogar unsere
unausgesprochenen Gedanken und Emotionen, so dass er uns nicht
zunächst befragen muss, um überhaupt in der Lage zu sein, sich ein
Bild von unserer Situation zu machen. Dennoch verfährt er auf
diese Art und Weise mit den Menschen, weil er von uns wünscht,
dass wir ihm unsere Sorgen und Nöte vorbringen.
Kleopas skizzierte Jesus kurz und prägnant die wesentlichen
Fakten:
"Wir sahen in Jesus von Nazaret einen mächtigen Propheten und
hegten die Hoffnung, dass er der Verheißene wäre, der Israel
erlösen würde, doch er wurde gekreuzigt. Nun hat die Nachricht,
dass sein Leichnam nicht mehr im Grabe liegt, und die Behauptung
der Frauen, dass ihnen Engel verkündet hätten, er würde leben, für
Verwirrung gesorgt."
Nachdem Jesus seinem Bericht aufmerksam zugehört hatte, tadelte er
ihr Unverständnis und offenbarte sich ihnen selbst, indem er ihnen
den Sinn der Schrift erschloss. Die Jünger fühlten sich von seiner
Gegenwart und von seinen Worten angezogen und tief angerührt,
dennoch ging ihnen kein Licht auf. Die Wahrheit lag so greifbar
nahe, doch sie durchschauten sie nicht.
Worin lag das Problem?
Sie nahmen seine Darlegungen mit dem Verstand auf und
ignorierten dabei die Stimme ihres Herzens. Erst als sie Jesus am
Brotbrechen wahrhaft erkannten, nahmen sie die Regungen ihrer
Herzen wahr.
Beide bestätigten, dass ihre Herzen gebrannt hatten, als er sich
mit ihnen unterhalten und ihnen die Vorhersagen aus der Heiligen
Schrift gedeutet hatte.
Fragen wir uns, wie wir selbst mit der Präsenz Jesu umgehen.
Denken wir bewußt daran, wenn wir uns schlecht fühlen, dass Jesus
zu uns spricht und uns berührt, oder bemerken wir nicht einmal,
dass Jesus uns begleitet? Wie oft in der Vergangenheit handelte
Jesus durch Menschenhand und hat uns durch einen Weggefährten
aufklärende Worte zukommen lassen?
Wie oft haben allerdings unsere Gedanken ausschließlich um uns
selbst gekreist, so dass wir taub waren für die
erkenntnisbringenden Worte Jesu?
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns eingestehen, dass wir uns
oftmals wie die Emmausjünger aufgeführt haben.
Die Antwort auf unsere Fragen lag auf der Hand, doch waren wir
viel zu sehr mit unseren eigenen Gedanken und Prinzipien
beschäftigt und haben somit Jesus und seinem Wort den Rücken
zugekehrt.
Dennoch begleitet uns Jesus jederzeit und ist bereit, uns zu
berühren.
Auf die gleiche Art und Weise gestattet er uns ebenfalls, ihn zu
berühren.